Wodurch wird Mozilla schnell(er)?

Ich setze nun schon eine ganze Weile "unser aller Lieblingsechse" Mozilla als Webbrowser unter allen möglichen Windows-NT-Versionen von NT 3.51 über 4.0 bis hin zu diversen 5er eNTen (2000/XP/...) auf mehreren sich ab und zu auch mal wandelnden Rechenknechten ein, was im Zuge einer Suche nach brauchbaren Benchmarks (man muß ja Auf- und Umrüstungen entsprechend würdigen *g*) auch zur Benutzung von Mozilla als "Benchmark" führte. Am einfachsten zu messen sind dabei zweifellos Startzeiten, z.B. die eines Mozilla 1.5 de-AT mit einem Browserfenster leeren Inhalts einmal bei frisch gestartetem Windows (oder wann sonst keine Mozilla-relevanten Dateien im Datenträgercache liegen; im folgenden Erststartzeit genannt) und einmal aus dem Datenträgercache (z.B.: Mozilla starten und beenden, dann gleich nochmal starten und bei diesem Startvorgang die Zeit messen; im folgenden: Neustartzeit). Dinge wie die Reaktionsfreudigkeit von UI-Elementen oder der Seitenaufbau sind nur subjektiv zu beurteilen, können aber ebenfalls Hinweise geben.

Beobachtungen

Faktor 1: Speicher

Eines fiel mir schon früh auf: Der Mozi ist speicherintensiv. Und damit ist nicht bloß gemeint, daß er nicht gerade zum Speichersparer des Monats gekürt werden könnte, nein, es ist auch die Performance, die sehr stark an der Speicherperformance des Systems hängt.

Beispiel gefällig? Man nehme einen 486DX/2-66er mit 32 MiB Arbeitsspeicher, einem Shuttle HOT-409 (Chipsatz: OPTi 495SX) und NT 3.51. Ergibt natürlich erstmal eine arge Swapperei beim Start, aber wenn der Mozi (müßte noch 1.2.1 oder 1.3.1 gewesen sein) mal läuft, so tut er das zwar recht behäbig, aber ohne allzuviel Swappen. Besonders lahm sind Eingabefelder, etwa in Formularen oder schlicht der Adreßzeile. Dann tausche mal das Board gegen ein QDI V3P895GRN mit OPTi 895 (Hauptspeicherdurchsatz in guter Näherung vervierfacht, Cache etwas schneller), und siehe da, die Geschichte ist plötzlich gefühlt doppelt so schnell. Immer noch lahm, aber immerhin. Nochmal etwa den gleichen Effekt hat ein Austausch des Prozessors gegen einen AMD 5x86-133 (der mit seinem größeren L1-Cache auch noch etwas mehr Roh-Rechenpower bietet), damit "laggt" die Adreßzeile kaum noch.

Noch eins? Man nehme einen Rechner mit zwei Celeron 300A auf einem Asus P2L97-DS (i440LX), 448 MiB RAM, einer Cheetah 36ES an einem 53C895-basierten U2W-Hostadapter und einem NT 5.x (mit MPS-Multiprozessor-HAL). Ergibt eine Erststartzeit von 13 s und eine Neustartzeit von 7 s. Man tausche nun das Board gegen ein P2B-D (i440BX). Resultat: 10 s resp. 5,25 s. (Alles per Stoppuhr ermittelt übrigens.) Die Verbesserung der Neustartzeit war mehr als erwartet (immerhin 1/3 schneller!), der reine I/O scheint ebenfalls profitiert zu haben. Auch der Seitenaufbau ist subjektiv schneller. (Nochmal etwas gedrückt werden konnte die Erststartzeit durch Erhöhen der Segmentzahl des Plattencaches von 8 auf 16, wobei letzteres eigentlich die Werkseinstellung war, aber man dreht ja nur zu gern an sowas... Macht dann 9,4 s.)

Folgerung: Nicht nur genug Speicher ist wichtig, auch sollte dieser chipsatzmäßig flott angebunden sein. Wer aus möglichst wenig Prozessor möglichst viel Leistung herauskitzeln will, ist somit gut beraten, den schnellstmöglichen Chipsatz zu nehmen.

Faktor 2: Festplatte

Da beim Mozi nicht gerade wenige Dateien zu laden sind, nimmt es nicht wunder, daß der Startvorgang schnelle Festplatte bevorzugt. Dabei scheinen geringe Zugriffszeiten und Rotationslatenzen wichtiger als sequentielle Transferraten zu sein - auch die eigentlich gar nicht lahme IBM Travelstar 40GNX als zumindest anno 2002 schnellste 2,5"-Festplatte (5400/min, 8 MiB Cache) muß ganz schön herumrödeln, während die alte Seagate Barracuda ATA der ersten Generation als 7200er Desktop-IDE-Platte (mit 512 KiB Cache...) damit schon weniger Mühe hat und wenig überraschend die Cheetah 36ES als 10.000er SCSI-Platte neueren Datums mit deutlichem Abstand als erste am Ziel ist.

Folgerung: Eine schnelle Festplatte hat sowieso noch nie geschadet, das gilt beim Mozi erst recht.

Faktor 3: CPU

Natürlich ist die Echse auch CPU-abhängig, und das sicher nicht zu knapp. Ich würde schätzen so 50/50 CPU/Speicher - mein Notebook mit Mobile Celeron 400 im i440BX braucht 4,5 s für einen Mozilla-Neustart, also 1/3 mehr CPU-Leistung als beim Dual-Celeron und 1/6 schnellerer Neustart.

Folgerung: Wenig überraschend spielt natürlich auch die CPU-Performance eine nicht unwichtige Rolle, aber das ist wohl schon fast unter "Binsenweisheit" einzusortieren.

Weitere Meßwerte für Startzeiten

Ex-Hauptkiste (PIII-800EB/P3B-F mit i440BX/133 MHz FSB/384 MiB SDRAM/Barracuda ATA an Ultra66/Win2k): Neustart etwas über 2 s (Meßgenauigkeit bestenfalls 1/8 s).

Mein Ex-486er (iP133/GA-586HX mit i430HX/256 MiB FPM/Barracuda 4XL an Dawi 2975U (Moz-Programmverzeichnis) + ST52520A an Onboard-IDE (Profil)/NT4SP6a): Erststart 20-21 s (Moz 1.3.1).

Ab etwa GHz-Klasse dürften Neustartzeiten kaum noch sinnvoll mit der Stoppuhr zu ermitteln sein. Unter Linux würde einem da wohl "time" weiterhelfen, aber unter Windows, keine Ahnung...


Einstauben, äh, i-Mehl

Erstellt: 22.12.2003
Zuletzt modifiziert: 27.12.2003